dju in NRW

AUSGEPRESST! – letzte Ausgabe aus Bonn

AUSGEPRESST! – letzte Ausgabe aus Bonn

dju Bezirksfachgruppe Bonn

Seit dem Morgen des 14. März 2016 wird in Bonn keine Zeitung mehr gedruckt. Montagfrüh endete die letzte Schicht für Druckerei und Versand des Bonner General-Anzeigers. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wollten das Druckzentrum für einige Jahre als Mitarbeitergesellschaft fortführen. Soziale Härten hätten so gemildert werden können: Für die mehr als 41 von Kündigung bedrohten Kollegen im Druckzentrum wäre es der einzige Ausweg aus der nun drohenden Altersarmut gewesen.

Doch die Eigentümer des General-Anzeiger Verlages kümmerte ihre soziale Verantwortung gegenüber ihren langjährigen Mitarbeitern nicht. Gegen dieses Verhalten protestieren die Journalistinnen und Journalisten der dju entschieden. „Manche Kolleginnen und Kollegen sorgen seit mehr als 30 Jahren für das pünktliche Erscheinen der Zeitung und jetzt werden sie einfach rausgeworfen“ kommentiert einer der Redakteure der Zeitung die Schließung des Druckzentrums.

Rheinische Verlegerfamilien

Der Verlag des Bonner General-Anzeigers gehört zu 82 Prozent der H. Neusser Besitz- und Verwaltungs- GmbH und zu 18 Prozent der Kölner Mediengruppe M.DuMont-Schauberg GmbH und Co. KG. Die valide Planung für ein an eine Mitarbeitergesellschaft ausgelagertes Druckzentrum wurde von der Eigentümerversammlung abgelehnt.

Aus der geheim tagenden Versammlung gibt es keine weiteren Informationen. Nach Angaben der Kommission zur Ermittlung der Konzentration im Medienbereich (KEK) liegt die Mehrheitsbeteiligung im Besitz der Verlegerfamilie Neusser. „Gesellschafter und Geschäftsführung wollten nicht einmal die Machbarkeit einer mitarbeitergeführten Gesellschaft prüfen lassen“, kommentiert Imke Habegger, Betriebsratsvorsitzende des Verlages, die Entscheidung der Eigentümer.

Auflage rund 72.000 Exemplare und 62.000 Abonnenten

Kostenreduzierung um jeden Preis scheint das Motto einer der ältesten Zeitungen des Rheinlands zu lauten. Für das Jahr 2014 weist die ein Jahr später veröffentlichte Bilanz des Verlages bei einem Umsatz 47 Millionen Euro vor Abzug von Sonderbelastungen noch einen Rohgewinn vor Steuen von 4,6 Millionen Euro aus. Bei einem Bilanzkapital von beinahe 18 Millionen Euro ein durchaus stabiles Ergebnis. E

s scheint jedoch nach Abzug der bilanzierten Sonderbelastungen nicht mehr ausreichend für das rheinische Verlagshaus. In Bonn drohen nach dem Druckzentrum nun weitere Einsparwellen in Verlag und Redaktion.

Solidarität mit den gekündigten Kolleginnen und Kollegen

Die dju NRW reiht sich ein in die die große Welle der Solidarität, die die heute gekündigten Mitarbeiter aus ganz Deutschland, vor allem aber aus ihrer Heimatregion erreicht. Gewerkschaften, Parteien, Kirchen, Bürger, vor allem aber die Leserinnen und Leser der Zeitung unterstützten mit einer Petition die Mitarbeiter aus Druckerei und Versand. Tausende haben innerhalb weniger Tage den Aufruf unterschrieben (www.soliseite.de/Generalanzeiger).

Die dju - Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-Union NRW unterstützt mit allen Kräften die Bonner Kolleginnen und Kollegen und ihren Betriebsrat in ihrem Kampf um einen Sozialtarifvertrag mit dem Verleger.

Auch andere Titel betroffen

Neben dem Bonner General-Anzeiger sind auch zwei Anzeigenblätter von der Schließung des Druckzentrums betroffen. Mit einem Rückgang der Abonnements um über 10 Prozent innerhalb der letzten zehn Jahre erlebte der General-Anzeiger einen branchenüblichen Schrumpfungsprozess.

Dabei war der Bonner General-Anzeiger auf einem guten Weg. „Jeder konnte es sehen: 2010 Wächterpreis, 2011 Lokaljournalistenpreis für das Projekt Familienzeitung, 2013 Henry-Nannen Preis. Eine immer besser werdende Zeitung - aus der Region für die Region. Eine Zeitung, die von Zeitungsmachern gemacht wurde und nicht wie heute von Krämern“ kommentiert Cay Kinzel, Bonner Landesvorstandsmitglied der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union die Lage der Bonner Zeitung „Ein Zeitungsverlag ohne eigene Rotation hat nicht nur technisch einen wesentlichen Teil seiner Pressefreiheit aufgegeben“.

Die dju NRW fordert den Verlag des Bonner General-Anzeigers auf, mit einem großzügigen Sozialplanvolumen in die Verhandlungen zu gehen, damit die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Druckzentrums nicht auf der Zielgerade ihres Arbeitslebens in die Altersarmut geschickt werden.

Ansprechpartner: Cay Kinzel, Deutsche Journalistinnen- und Journalisten-union (dju)

OV Bonn Rhein Sieg, Tel. 0172 2507810

18. März 2016