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Funke-Ruhrgebietstitel ohne Herzstück

Funke-Ruhrgebietstitel ohne Herzstück

dju Bezirksfachgruppe Ruhr

Ein  weiteres  trauriges  Kapitel: Das Aus und der Kahlschlag für den Funke-Contentdesk in Essen. Die Geschichte der Sparmaßnahmen im heutigen Medienhaus der letzten Jahre: 2008 wurde unter dem damaligen Chefredakteur Ulrich Reitz der Contentdesk für die vier Zeitungstitel in NRW eingeführt. 300 Mitarbeiter der damals 860 Beschäftigten mussten gehen, um 30 Millionen einzusparen. 2013 wurde von heute auf morgen die Westfälische Rundschau aufgelöst und alle 120 Mitarbeiter in den Redaktionen entlassen. Eine weitere Personaleinsparung in Millionenhöhe. Ende 2013 die Schließung der Auslandsbüros im Unternehmen. Kosteneinsparung wieder in Millionen. Nur sechs Jahre hatte der Contentdesk Bestand. In den sechs Jahren gab es einen zweimaligen Stellenabbau, jetzt das endgültige Aus.

Publizistisches Konzept gibt es nicht

Seit dem Funke/Springerdeal gibt es unter dem Dach der Mediengruppe noch mehr Tageszeitungen (Berlin/Hamburg). Sie alle sollen jetzt von Berlin aus, mit nationalen Themen von einer Zentralredaktion, beliefert werden. Ganze Themenseiten werden in Berlin für alle nationalen Funke-Titel und den Online-Auftritten einheitlich produziert. Mannschaftstärke: 50 Mitarbeiter – produziert wird von 5 Uhr bis 24 Uhr.

Einsparung in Millionen: Alleine in NRW werden 25 Mitarbeiter keinen neuen Arbeitsplatz finden. Kündigungen nicht ausgeschlossen, so die Geschäftsführung. Altersteilzeitmodelle unerwünscht. Sozialplanverhandlungen schwierig. Andere Funke-Titel werden mit dem Personalabbau in ihren Mantelredaktionen folgen.

Bärbel Sumagang, ver.di-Sekretärin im Bezirk Essen: "Hier werden Redaktionen bis auf den letzten Tropfen ausgeblutet. Wir fordern den Verlag auf, betriebsbedingte Kündigungen auszuschließen. Einsparungen in Millionenhöhe auf Seiten der Mitarbeiter und die hohen Gehälter der Geschäftsführer im Unternehmen, die im Bundesanzeiger veröffentlicht wurden, das passt nicht zusammen."

Zudem gibt es für die Onlinern eine Rolle rückwärts. Lies sich der Verlag noch im vergangenen Jahr mit der Tarifbindung für Onliner in den Medien feiern, werden jetzt die Redakteure in eine tariffreie Gesellschaft überführt. Tariffrei sind auch alle neuzugründenden Gesellschaften. Tarifflucht, Zentralredaktion und hoher Personalabbau – Ein Verlag zerlegt sich gerade selber.

Journalistischer Anspruch gleich null. Wer will solch ein Zeitungsprodukt noch kaufen?

Für Rückfragen:
 
Fachbereichssekretärin
Kunst, Medien und Industrie
Bärbel Sumagang
0201/2475254
baerbel.sumagang@verdi.de

21. Mai 2015