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Gedenken an politisch Verfolgte in der Nazizeit

Gedenken an politisch Verfolgte in der Nazizeit

dju Ostwestfalen-Lippe
Journalist und SPD-Politiker; 
aus der Internetdokumentation "Sächsische Biografien", herausgegeben vom Institut für Sächsische Geschichte
und Volkskunde e.V., http://saebi.isgv.de
ISGV Max Sachs

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD), die Arbeiterwohlfahrt (AWO) und die Stadt Bielefeld gedenken am Mittwoch, 1. Oktober, um 17 Uhr auf dem Ehrenfeld des Bielefelder Sennefriedhofs (siehe Karte als PDF, Ziffer 4) den politisch Verfolgten. Es spricht Angelika Dopheide, Vorsitzende des Präsidiums der Bielefelder Arbeiterwohlfahrt und frühere Oberbürgermeisterin der Stadt Bielefeld.

Das Ehrenfeld wurde im Dezember 1945 als Mahn- und Gedenkstätte für die Opfer der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft angelegt. Hier wird vor allem an die Widerstandskämpfer erinnert, die im Juli 1944 vom 2. Senat des so genannten "Volksgerichtshofes" in Bielefeld zum Tode verurteilt und im September 1944 in Dortmund umgebracht wurden. Den Arbeitern Otto Appelfelder, Paul Brockmann, Otto Giesselmann, Gustav Höcker, Hermann Kleinwächter, Gustav Koch, Gustav Milse, Bernhard Putjenter, Rudolf Sauer, Hermann Wörmann und Fritz Wolgast, Beschäftigte bei den Bielefelder Rüstungsbetrieben Dürkopp und Benteler, waren "schwerste Rundfunkverbrechen", "organisierter Hochverrat" und "Feindbegünstigung" vorgeworfen worden.

Vorher bereits war Bernhard Zawacki verurteilt und am 2. Mai 1944 hingerichtet worden. Fritz Bockhorst hatte sich nach langer Haft am 30. Juni 1944 angeblich selbst das Leben genommen. Insgesamt sind etwa 50 Bielefelderinnen und Bielefelder durch die nationalsozialistische Justiz ermordet worden.

Später wurden auch die Gebeine von Oskar Grube, am 7. Juli 1941 umgekommen im Konzentrationslager Oranienburg/Sachsenhausen, aus einer vorher privaten Grabstätte hier beigesetzt. An Grube, Sozialdemokrat und Gewerkschaftssekretär des Deutschen Metallarbeiterverbandes, erinnert wie an die meisten anderen ein "Stolperstein" vor seinem früheren Wohnhaus.

In der 15 Grabstätte ruht die Urne von Max Sachs, Journalist und SPD-Politiker, der im Konzentrationslager Sachsenburg/Flöhatal ermordet wurde. Sachs, geboren am 23. September 1883, stammt aus Breslau (heute polnisch Wrocław). Sein Vater war dort Bankier. 1906 schloss er sich der SPD an. Von April 1907 bis Dezember 1910 arbeitete er als Redakteur der sozialdemokratischen Tageszeitung Volkswacht in Bielefeld. Dort auch lernte er seine spätere Frau kennen. 1910 heiratete er die Gewerkschafterin Maria Meyer. Ab 1911 leitete Max Sachs verschiedene Fachressorts der Dresdner Volkszeitung. Von 1922 und 1926 war er Mitglied der SPD-Fraktion im Sächsischen Landtag.

Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten wurde er mehrmals verhaftet. Sachs starb am 5. Oktober 1935 an den Folgen der Misshandlungen im Konzentrationslager Sachsenburg. Seine Urne wurde am 12. Oktober 1935 in Bielefeld beigesetzt. Maria Sachs war dorthin zu ihren Angehörigen zurückgekehrt, weil die Nazis sie aus ihrem Haus in Dresden gedrängt hatten. Die beiden Töchter des Ehepaares flüchteten schließlich in die USA. Die Straße vor dem Haus der Familie in Dresden wurde 1945 nach Max Sachs benannt. Seit 2011 erinnert dort auch ein "Stolperstein" an ihn, seit 2012 auch an seine Frau und seine Töchter.

30. September 2014

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