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Bildungsstätte Lage-Hörste wird geschlossen

Verein der Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste

Die gewerkschaftliche Bildungsstätte Lage-Hörste wird nach 61 Jahren geschlossen. Abgekämpft, enttäuscht und mit großem Zorn hat der Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste die gestrige Entscheidung des Gewerkschaftsrates  aufgenommen.

Das höchste Gremium der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat in seiner Sitzung am Montag, 11. Mai 2015, das Aus zum 31. Dezember 2015 besiegelt. Grund sind angebliche Sanierungskosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro für eine Anpassung des Brandschutzes, die ver.di nicht zu zahlen bereit ist. In dem 1954 in Eigenleistung von Mitgliedern der damaligen Gewerkschaft Druck und Papier errichteten Haus arbeiten 25 zum Teil langjährige Beschäftigte sowie zahlreiche freiberufliche Kurs- und Seminarleiter.

Der Gewerkschaftsrat hatte dem Verein der "Freunde und Förderer der Bildungsstätte Lage-Hörste"“ zuvor eine Frist von knapp acht Wochen eingeräumt, damit dessen Mitglieder mindestens 1,5 Millionen Euro Spenden einsammeln, um die Finanzierungslücke zu schließen. Mit Stolz blickt der Verein auf eine Spendensumme von rund 230.000 Euro. Er hatte zahlreiche Initiativen entwickelt, um den Weiterbetrieb des Hauses für die Zukunft zu sichern. Dazu gehören Kosteneinsparungen bei den Investitionen, Beiträge der Beschäftigten sowie eine Erhöhung der Belegungszahlen.

Der Deutsche Kulturrat hatte erst vor wenigen Tagen das Heinrich-Hansen-Haus, so der Name der Bildungsstätte, auf die Rote Liste bedrohter Kultureinrichtungen gesetzt.

Aus Sicht des Vereins hat der ver.di-Bundesvorstand von Anfang an die Schließung der Bildungsstätte betrieben und dabei versucht, diese Schließung als „alternativlos“ darzustellen. Der Verein der Freunde und Förderer hatte eine Fristverlängerung für die provisorischen Brandschutzmaßnahmen (Außentreppe, Brandmelder, Löschwassertank) vorgeschlagen, um mehr Zeit zu erhalten, sein Konzept weiterzuentwickeln und weitere Spenden einzuwerben. Das lehnten Gewerkschaftsrat und Bundesvorstand ab.

Ver.di hat versäumt, mit dem Verein konstruktiv über seinen Sachstandsbericht zu sprechen. „Daraus erkennen wir, dass weder Bundesvorstand noch Gewerkschaftsrat jemals ein Interesse an einer Lösung jenseits der Schließung hatten“, sagt Vereinsvorsitzende Stephie Karger. "Die Gewerkschaft legt hier leider jenes gewinnorientierte Verhalten von Konzernen und Unternehmen an den Tag, das sie selbst und die – auch in Hörste geschulten – Betriebsräte in ihrer täglichen Arbeit im Sinne der Beschäftigten zu korrigieren und zu verändern versuchen."

In Hörste werde mit einem Federstrich die erfolgreiche Geschichte von mehr als 60 Jahren Arbeitnehmer-Bildung beendet.

Das Verhalten von ver.di widerspreche dem Grundsatzgedanken der Gewerkschaft, Probleme offen, solidarisch und gemeinsam zu lösen. „Hier werden Hunderte von Spendern und Aktiven, Mitglieder und Förderer vor den Kopf gestoßen“, sagt Karger. "Ein solches Verhalten, so der Verein, schädigt ver.di in ihren Grundfesten."

Der Verein wird weiterarbeiten, zunächst die Beschäftigten in den verbleibenden Monaten mit Rat und Tat begleiten, aber auch andere Möglichkeiten zu einer Rettung ausloten. Die Spenden auf den Konten werden je nach Sachlage, wie zugesagt, an die Spender zurückgezahlt.

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12. Mai 2015

  • Weitere Informationen

    Endgültig Aus – Gewerkschaftsrat bestätigte Schließung von Lage-Hörste

    Der ver.di-Gewerkschaftsrat hat am 11. Mai 2015 seinen Beschluss zur Schließung der Bildungsstätte in Lage-Hörste bestätigt. Hintergrund dieser Entscheidung sind Brandschutzauflagen, die laut ver.di-Bundesvorstand Investitionen von mehr als drei Millionen Euro erforderlich machen würden.

    Der Gewerkschaftsrat – das höchste ver.di-Gremium zwischen den Kongressen – hatte nach mehrstündiger Beratung im März noch einen Weg eröffnet, das Aus für das traditionsreiche Haus abzuwenden. Bedingung war, dass es gelinge, bis zur nächsten Sitzung im Mai „im Rahmen einer Gesamtfinanzierung über Spenden durch Crowdfunding und andere Finanzierungsinitiativen ein zusätzliches Finanzvolumen von 1,5 bis 2 Millionen Euro einzuwerben“. Dieses Ziel wurde verfehlt. Dem zwischenzeitlich gegründeten Verein der Freunde und Förderer der Bildungsstätte gelang es allerdings, 230 000 Euro Spenden einzuwerben und ein Konzept mit beträchtlichem weiterem finanziellen Potenzial vorzulegen.

    Dem Gewerkschaftsrat hatten zur Sitzung am 11. Mai  auch zwei Anträge vorgelegen, die sich gegen die Schließung wandten. Die ver.di-Bundesfachbereichskonferenz Medien, Kunst und Industrie hatte gefordert, „dafür Sorge zu tragen“, dass die Bildungsstätte in Lage-Hörste „als Stützpunkt und politische Heimat“ für den Fachbereich erhalten bleibe. Ein Initiativantrag von Gewerkschaftsratsmitglied Gundula Lasch zielte darauf, die endgültige Beschlussfassung bis nach dem ver.di-Kongress im September auszusetzen, bis dahin weitere Prüfungen vorzunehmen und den Spendensammlern mehr Zeit einzuräumen. Beide Anträge wurden nach dreistündiger Debatte von den Gewerkschaftsratsmitgliedern mehrheitlich abgelehnt. Gewerkschaftsratsvorsitzende Monika Brandl und ver.di-Vorsitzender Frank Bsirske teilten das Ergebnis auch einer neuerlich angereisten Delegation der 25 Beschäftigten aus der Bildungsstätte mit. Nun sollen Verhandlungen über einen Sozialplan beginnen. (neh)

    https://mmm.verdi.de/aktuell-notiert/2015/endgueltig-aus-2013-gewerkschaftsrat-bestaetigte-schliessung-von-lage-hoerste

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