dju NRW

"Für wie dumm halten die Herren der WAZ die Leser?"

"Für wie dumm halten die Herren der WAZ die Leser?"

dju Köln

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

mit großem Entsetzen haben wir die Nachricht von der Schließung der Westfälischen Rundschau zur Kenntnis nehmen müssen. Dass von dieser traditionsreichen Tageszeitung, die bis heute weit über das südliche Westfalen und das östliche Ruhrgebiet hinaus einen guten Ruf genießt, nur noch eine leblose Hülle übrigbleiben soll, ist in gleich mehrfacher Hinsicht ein Jammer – und nicht nur das: Es ist ein Skandal! Mit seiner Entscheidung opfert der WAZ-Konzern jegliche publizistische Verantwortung zugunsten seiner maßlosen Renditeerwartungen.

Die Zeitung soll sterben, aber der Namen erhalten bleiben – so will es der WAZ-Konzern. Doch eine solche Mogelpackung braucht kein Mensch. "Unser Ziel ist es, die Westfälische Rundschau zu erhalten und damit die Medienvielfalt in dem Verbreitungsgebiet sicherzustellen", hat die WAZ-Geschäftsführung in ihrer Pressemitteilung zum Ende der WR-Redaktion verkündet.

Was für eine Verachtung gegenüber den Journalistinnen und Journalisten, die bisher die Westfälische Rundschau mit Leben gefüllt haben, spricht aus diesem zynischen Satz! Und: Für wie dumm halten die Herren WAZ-Geschäftsführer eigentlich die Leserinnen und Leser der Westfälischen Rundschau? Der nordrhein-westfälische DGB-Vorsitzende Andreas Meyer-Lauber hat Recht: "Eine Zeitung ohne Redaktion ist keine Zeitung!"

Den 120 festangestellten Kolleginnen und Kollegen, die jetzt Opfer falscher Managemententscheidungen werden sollen, wünschen wir Mut und Kraft bei ihrem Kampf für den Erhalt ihrer Arbeitsplätze! Unsere Solidarität gilt ebenso den rund 200 freien Journalistinnen und Journalisten, die die WR als Auftraggeber verlieren werden. Lasst Euch nicht unterkriegen! Für den Erhalt der Westfälischen Rundschau!

Kollegiale Grüße aus dem Rheinland sendet Euch

Der Vorstand der dju Köln

19. Januar 2013