dju NRW

WM am Arbeitsplatz - so schießt Ihr kein Eigentor

WM am Arbeitsplatz - so schießt Ihr kein Eigentor

gekürzte Fassung aus: "Arbeitsrecht im Betrieb"

Wenn die Fußball-Nationalmannschaften in Brasilien um den Weltmeister-Titel kämpfen, werden auch in Deutschland hunderttausende Fans mitfiebern, nicht nur zu Hause auf der Couch. Das müsst ihr wissen, um Ärger mit dem Chef zu vermeiden: Grundsätzlich gilt: die Arbeit hat immer Vorrang. 

Arbeitnehmer sind verpflichtet, ihre Arbeitsleistung zu erbringen – WM hin oder her. Nur wenn ausdrückliche betriebliche Regelungen getroffen sind, die während der Spiele Ausnahmen zulassen, kann das Büro zur Public Viewing Area umfunktioniert werden. Das heißt: Ohne Erlaubnis von ganz oben müssen Fernsehen, Radio, Internet oder Smartphone fußballfreie Zone bleiben. 

Nutzung von Smartphone oder Handy erlaubt?

Der Arbeitgeber ist befugt, die private Handynutzung im Betrieb während der Arbeitszeit generell zu verbieten. Im Gegenteil: er kann pflichtwidriges Verhalten sogar sanktionieren, in der Regel mit einer Abmahnung. Gibt es keine ausdrückliche Ansage des Arbeitgebers, sollten Arbeitnehmer davon ausgehen, dass die Privatnutzung untersagt ist.

Die WM im Netz anschauen?

Bei fehlender ausdrücklicher Regelung der privaten Internetnutzung gilt das gleiche wie bei der Handynutzung: im Zweifel verboten. Auch hier gilt - es droht eine Abmahnung! Ist die private Nutzung erlaubt, gilt ein Verhältnismäßigkeitsprinzip: die Privatnutzung darf die Arbeitsleistung nicht über Gebühr einschränken.

Fußball in TV oder Radio miterleben?

Grundsätzlich gilt TV-Verbot am Arbeitsplatz. Trotz Weltmeisterschaft gilt der Grundsatz, dass jeder Arbeitnehmer die Pflichten aus seinem Arbeitsvertrag erfüllen muss. Ohne ausdrückliche Erlaubnis muss die Glotze während der Spiele ausbleiben. Radiohören kann dagegen erlaubt sein. Denn laut Bundesarbeitsgericht wirkt sich das Radiohören nicht störend auf die Arbeitsleistung aus, wenn der Arbeitnehmer seine Aufgaben zügig, konzentriert und fehlerfrei erledigt und das Radioprogramm weder Kunden noch Kollegen stört.

 

>>> Zum vollständigen Bericht der Zeitschrift "Arbeitsrecht im Betrieb", in dem auch Hinweise für die Einflussmöglichkeiten von Betriebsräten gegeben und Urteile genannt werden, geht es hier.

 

Mit freundlicher Genehmigung von "Arbeitsrecht im Betrieb" (26. April 2014), Bund-Verlag GmbH