dju NRW

Abendblatt-Mitarbeiter protestieren gegen Personalabbau

Abendblatt-Mitarbeiter protestieren gegen Personalabbau

ver.di Landesbezirk Hamburg

167 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hamburger Abendblattes haben sich mit einem Protestbrief an die Essener Konzenzentrale des neuen Eigentümers Funke Mediengruppe gewendet. Darin fordern Sie ein maßvolleres Vorgehen bei den Personaleinsparungen und ein wirtschaftlich Konzept für die Zeitung. Sie wehren sich dagegen, dass der trotz der Zeitungskrise immer noch hohe Gewinn des Blattes nur abgeschöpft und nicht mehr in die Produktqualität reinvestiert wird.

Mit Beginn des Monats Februar hat sich die Abendblatt-Redaktion  von 14 Freien Mitarbeitern getrennt. In den nächsten zwei bis drei Jahren werden nach Angaben der Chefredaktion etwa 35 Mitarbeiter in Pension bzw. passive Altersteilzeit gehen und nicht ersetzt werden. Aus dem Ende der Kooperation des Abendblattes mit den Springer-Blättern Welt/Wams erwachsen der Zeitung laut Geschäftsleitung Einnahmeausfälle von rund einer Million Euro im Jahr, die allein durch Personal-Einsparungen wieder eingebracht werden sollen.

Zu diesem Zweck werden in den nächsten Wochen Gespräche über Auflösungsverträge geführt werden. Sollten sie nicht die von der Geschäftsleitung erwünschten Ergebnisse bringen, sollen betriebsbedingte Kündigungen ausgesprochen werden. Welche Sollzahlen von Personal angestrebt werden und wann der Abbau enden könnte, ist unklar.

Mit der jetzt angekündigten Errichtung des Funke-Contentdesks (Zentralredaktion) in Berlin wird das Abendblatt im Mai seinen Status als Vollredaktion verlieren. Die Politikseiten, das Vermischte und die Wissenseite werden dann von dem neuen, externen Dienstleister bezogen. Die derzeit noch für die genannten drei Ressorts arbeitenden Redakteurinnen und Redakteure werden versetzt werden, heißt es. Gleichzeitig ist aber von einem "Überhang" die Rede. Personalbedarf sieht die Chefredaktion allenfalls im Lokalen oder in den Regionalausgaben. 

Wie angesichts dieses Aderlasses die journalistische Qualität verbessert oder auch nur gehalten werden soll, erschließt sich nicht. Auf Nachfragen gibt es nur nebulöse Versprechungen. Der Umfang der Zeitung ist aus Kostengründen zurückgefahren worden. Die seit Jahren bestehenden Vertriebsprobleme sind noch immer nicht behoben. Zur gleichen Zeit erhöht die Verlagsleitung den Abonnementspreis des Blattes.

Die Belegschaft möchte sich angesichts dieser Faktenlage nicht länger mit Informationshäppchen abspeisen lassen. Sie möchte ein Konzept sehen, mit dem die Zukunft optimistisch angegangen werden kann.

11. Februar 2015

Erklärung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Hamburger Abendblatts: