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Arbeitgeber kündigen Manteltarif bei Lokalradios

Arbeitgeber kündigen Manteltarif bei Lokalradios

dju Ostwestfalen-Lippe

Die Tarifgemeinschaft Lokalfunk NRW (TGL) hat den Manteltarifvertrag (MTV) Lokalfunk Nordrhein-Westfalen zum 31. Dezember 2012 gekündigt. Bei den NRW-Lokalradios sind rund 600 Kolleginnen und Kollegen beschäftigt. Forderungen der TGL, die die Interessen des Verband der Betriebsgesellschaften in Nordrhein-Westfalen (BG-NRW) und des Verband Lokaler Rundfunk in Nordrhein-Westfalen (VLR) gemeinsam vertritt, sind bisher nicht veröffentlicht.

Für den Lokalfunk in NRW gilt das so genannte Zwei-Säulen-Modell. Gesellschaftliche Gruppen kontrollieren das Programm und die Auswahl der Mitarbeiter. Sie bilden als eine Säule die "Veranstaltergemeinschaft" (VG) des jeweiligen Lokalradios. Finanziert werden die Radiosender jeweils durch eine "Betriebsgesellschaft" (BG). Diese nimmt beispielsweise die Erträge aus der Werbung ein und stellt die Technik zur Verfügung. An den Betriebsgesellschaften sind zu 75 Prozent Verlage, zu 25 Prozent die Kommunen des Sendegebietes beteiligt.

Eigentümer der Lokalradio-Betriebsgesellschaften in OWL dju OWL Quelle: Große Anfrage der CDU zu den Lokalradios in NRW 2004

An der Radio Herford Betriebsgesellschaft sowie der Radio Paderborn Betriebsgesellschaft (Radio Hochstift) ist die Neue Westfälische jeweils mit 75 Prozent beteiligt, an der Radio Bielefeld Betriebsgesellschaft mit 71,25 Prozent, an der Radio Gütersloh Betriebsgesellschaft mit 27,04 Prozent und an der Radio Minden-Lübbecke GmbH & Co. KG (Radio Westfalica) mit 27 Prozent und an Radio Lippe mit 4,80 Prozent.

Die Detmolder Unternehmensgruppe Giesdorf  (Lippische Landes-Zeitung) ist an der Lippischen Rundfunk GmbH & Co. KG (Radio Lippe) mit 70,20 Prozent beteiligt, der Mindener Verlag J.C.C. Bruns (Mindener Tageblatt) mit 48 Prozent an Radio Westfalica, der Verlag E. Holterdorf (Die Glocke) mit 32,71 und das Haller Kreisblatt mit 15,25 Prozent an der Radio Gütersloh Betriebsgesellschaft.

Die Unternehmensgruppe Westfalen-Blatt ist an Radio Bielefeld mit 3,75 Prozent beteiligt.

Als erste Lokalradios in der Region senden seit dem 1. April 1991 Radio Lippe und Radio Herford.

Audio Media Service Produktionsgesellschaft (ams) dju OWL Audio Media Service Produktionsgesellschaft (ams)

Technischen und betriebswirtschaftlichen Aufgaben für die ostwestfälische-lippischen Lokalradios erfüllt zum erheblichen Teil die Audio Media Service Produktionsgesellschaft (ams). An der "ams" sind die Neue Westfälische mit 50,53 Prozent, die E. Holterdorf KG, Oelde (Die Glocke), mit 20 Prozent, die Lippischer Zeitungsverlag Giesdorf KG, Detmold, mit 14,27 Prozent, die J.C.C. Bruns GmbH & Co. KG, Minden (Mindener Tageblatt), mit 11,20 Prozent und die Haller Kreisblatt Verlags-GmbH, Halle/Westfalen, mit vier Prozent beteiligt.

Die OWL-Radios werden in der Mitgliederversammlung des Verbandes der Hörfunk-Betriebsgesellschaften NRW durch Uwe Wollgramm vertreten, den Geschäftsführer der "ams". Axel Frick, Geschäftsführer der NW, gehört dem Vorstand der BG-NRW an. Peter Beinke (ams) ist Mitglied des Technischen Ausschusses.

Vor wenigen Wochen erst hatten sich der Verband der Betriebsgesellschaften und die Gewerkschaften auf einen neuen Gehaltstarifvertrag (GTV) geeinigt. Danach bekommen die Beschäftigten der Lokalradios in NRW seit dem 1. Juli linear drei Prozent mehr Gehalt. Mit dem Juli-Gehalt haben Volontäre außerdem 100 Euro als Einmalzahlung erhalten, die übrigen Beschäftigten 200 Euro. Die Laufzeit des neuen Gehaltstarifvertrags beträgt 26 Monate.

Der bisherige Manteltarifvertrag gilt seit dem 3. Mai 1993. Er regelt beispielsweise die Arbeitszeit und den Urlaubsanspruch, Zuschläge bzw. Freizeitausgleich für Sonn-, Feiertags- und Nachtarbeit und die tarifliche Jahresleistung. Für Beschäftigte, die Ver.di-Mitglied sind, wirkt der gekündigte Tarifvertrag nach.

20. Juli 2012