dju OWL

Höchster Stellenwert für Tarifbindung und Tariftreue

Höchster Stellenwert für Tarifbindung und Tariftreue

dju Ostwestfalen-Lippe

Das erste Ergebnis bei der Fragebogen-Aktion der dju Ostwestfalen-Lippe bedarf keiner Interpretation, so eindeutig ist es. Aus 19 Möglichkeiten wurden die Kern-Ziele für die bevorstehende Tarifauseinandersetzung benannt. Gleichzeitig wurde beurteilt, welche längerfristige Bedeutung die Themen haben. In beiden Fällen mit deutlichem Abstand auf Platz 1 bei den 189 Journalistinnen und Journalisten in der Region, die geantwortet haben: Die Bedeutung von "Tarifbindung und Tariftreue" werden von keinem anderen Thema auch nur annähernd erreicht.

Grafik 4: Antworten aus der linken Spalte des Fragebogens sortiert nach ihrer Bedeutung. dju OWL Grafik 4: Antworten aus der linken Spalte des Fragebogens sortiert nach ihrer Bedeutung.

Gleichgültig aus welchem Verlag in Ostwestfalen-Lippe die Antworten kommen, gleichgültig, ob die Antworten von einem dju- oder einem DJV-Mitglied gegeben werden, oder gar von jemandem, der keinem Berufsverband angehört: die Tarifbindung und die Tariftreue stehen immer ganz oben auf der Bewertungsskala.

In der Reihenfolge bei den Kern-Themen (Grafik 4) kommen dann "Freiwerdende Stellen wieder besetzen", "Einhaltung der tariflichen Arbeitszeit", und "Gehaltserhöhung". Danach mit leichtem Abstand gibt es drei Bereiche mit nahezu gleicher Bewertung: "Einhaltung der Vergütungsregeln für Freie", "Jahres-Anschlussverträge für Volontäre" sowie "Onlinearbeit in Tarifvertrag integrieren".

Die kurzfristigen Ziele (linke Spalte des Fragebogens (PDF-Datei, 54 kB)) und die Bewertung nach längerfristiger Bedeutung (rechte Spalte des Fragebogens (PDF-Datei, 54 kB)) unterscheiden sich in der Reihenfolge bei den Gewichtung der 19 Antworten nur wenig (Grafik 5). Bemerkenswert ist ein Unterschied beider Antwortmöglichkeiten nur in einem Bereich: Die Gehaltsforderung hat für die aktuelle Tarifauseinandersetzung eine nicht zu unterschätzende Bedeutung (Platz 4 bei den Kern-Themen). Weitergehende Äußerungen deuten darauf hin, dass ein Gehaltsverzicht strikt abgelehnt wird. Im Gegenteil: Es gibt Anmerkungen, die erkennen lassen, dass die Tarifabschlüsse der vergangenen Jahre das Gefühl hinterlassen haben, von der allgemeinen Einkommensentwicklung abgekoppelt worden zu sein.

Grafik 5: : Antworten aus der linken Spalte (rosa) und der rechten Spalte (blau). dju OWL Grafik 5: : Antworten aus der linken Spalte (rosa) und der rechten Spalte (blau).

Die Antworten auf den Fragebögen lassen aber darüber hinaus ein differenziertes Bild bei den langfristigen Themen erkennen. Für die Zukunft des Berufes werden die gerechte Vergütung der Arbeit von Freien, die Einbindung der Onlinearbeit in den Tarifvertrag und der Widerstand gegen jede Form der Leiharbeit und Zeitverträge höher als die Gehaltsforderungen bewertet.

An dieser Stelle zeigt sich leider ein Mangel des Fragebogens (PDF-Datei, 54 kB). Nach der Berufsausbildung wurde nicht direkt gefragt. Aus einzelnen Äußerungen und der ebenfalls hoch bewerteten Frage zu "Jahres-Anschlussverträgen für Volontäre" lässt sich indes vermuten, dass eine qualitativ hochwertige und ordentlich vergütete Berufsausbildung sowie nachfolgend eine Perspektive für eine feste Anstellung ebenfalls als wichtige Ziele angesehen werden.

Zum Teil deutliche Unterschiede gibt es in der Gewichtung einzelner Antworten beim Vergleich der sechs ostwestfälisch-lippischen Tageszeitungsverlage. Dies zeigt sich allerdings erst dann, wenn einzelne Werte quasi mit einer Lupe betrachtet, also im Detailbereich deutlich herausgefiltert werden (Grafik 6). So wird die Frage nach der Wiederbesetzung freiwerdender Stellen bei der Neuen Westfälischen (NW) mehr Wert beigemessen, als bei den übrigen Unternehmen. Bei der NW war vor der Umfrage von der Firmenleitung erklärt worden, dass die Zahl der Beschäftigten in den Redaktionen deutlich verringert werden soll.

Grafik 6: Vergrößerter Auszug der Unterschiede bei einzelnen Themen. dju OWL Grafik 6: Vergrößerter Auszug der Unterschiede bei einzelnen Themen.

Bei der Glocke (GL) - dort wurde nur die Redaktion Gütersloh befragt, die zum Bezirk Ostwestfalen-Lippe gehört - setzt der Betriebsrat sich aktuell dafür ein, dass Arbeitszeiten erfasst werden. Beim Haller Kreisblatt (HK) ist dies durch eine Betriebsvereinbarung gelungen. Der Konflikt konnte dadurch aber zunächst nicht geschlichtet werden, da die Verlagsleitung sich auch dann noch uneinsichtig zeigte. In beiden Verlagen wird das Thema hoch bewertet. Überdurchschnittliches Interesse beim Thema Arbeitzeit melden auch die Beschäftigten der Verlagsgruppe Westfalen-Blatt (WB) und Lippische Landes-Zeitung (LZ). Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Neue Westfälische bleibt das Stichwort zwar nach wie vor in der Spitzengruppe der Themen. Es gibt aber einiges, das als wichtiger betrachtet wird. Dies lässt sich vielleicht damit erklären, dass es bei der Neuen Westfälischen bereits seit längerem eine Betriebsvereinbarung gibt, die die Erfassung der Arbeitszeit regelt.

Bei der gerechten Vergütung für die Arbeit der Freien weichen die Antworten bei der Lippischen Landes-Zeitung (höhere Bedeutung) und der Glocke (geringere Bedeutung) deutlich vom Durchschnitt ab, ohne dass sich dies durch die Fragebogen (PDF-Datei, 54 kB) unmittelbar erklären lässt. Journalistinnen und Journalisten, die für die NW oder das Mindener Tageblatt tätig sind, legen auffallend mehr Wert darauf, dass die Onlinearbeit in den Tarifvertrag integriert werden soll. Beide Zeitungsverlage bemühen sich darum, ihre Bedeutung auch in den Onlineauftritte darzustellen.

. . . und hier geht es zum  3. Teil

28. Mai 2013

  1. Einleitung: Rege Beteiligung an Fragebogenaktion der dju OWL
  2. Überblick: Höchster Stellenwert für Tarifbindung und Tariftreue
  3. Gewerkschaft: Nur geringe Unterschiede zwischen dju- und DJV-Mitgliedern
  4. Zeitungsverlag: Gemeinsame Richtung, aber zahlreiche Eigenheiten
  5. Jeder für sich: Einzel-Auswertung nach Unternehmen