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Klaus Schrotthofer wird neuer Geschäftsführer der NW

Klaus Schrotthofer wird neuer Geschäftsführer der NW

dju Ostwestfalen-Lippe

Nachfolger von Axel Frick (60) als Geschäftsführer der Neuen Westfälischen soll am 1. März Klaus Schrotthofer (47) werden. Das hat die SPD-Medienholding ddvg (Hamburg) mitgeteilt. Frick hatte sich mit dem Mehrheitsgesellschafter nach 14-jähriger Tätigkeit als Geschäftsführer der NW nicht auf eine Vertragsverlängerung einigen können.

Schrotthofer volontierte ab 1988 bei der Augsburger Allgemeinen und blieb dort zunächst als Politikredakteur. Ab 1992 war er Bonner Korrespondent der Zeitung und u. a. auch für die Nordwest-Zeitung (Oldenburg) tätig, ab 1994 dann ausschließlich für das Nachrichtenmagazin Focus. 1996 ging er als Leitender Redakteur zum Kölner Stadt-Anzeiger, 1999 in die Chefredaktion der Berliner Zeitung. Von 2002 bis 2004 war er Sprecher von Bundespräsident Johannes Rau. Danach ging er als Chefredakteur zu Westfälischen Rundschau (Dortmund).

2008 wurde er Geschäftsführer der Zeitungsgruppe Thüringen (u.a. Thüringer Allgemeine, Ostthüringer ZeitungThüringische Landeszeitung), die wie die Westfälische Rundschau zur Mediengruppe Funke (ehemals WAZ) gehört. Er verabschiedete sich dort "auf eigenen Wunsch" Ende November 2012. "Inga Scholz (37) wird spätestens zum 1. Januar Sprecherin der Geschäftsführung der Zeitungsgruppe Thüringen", hatte die WAZ-Mediengruppe im Juni 2012 bekanntgegeben.

Über Schrotthofer, wie Doris Schröder-Köpf in Neuburg an der Donau geboren, lassen sich außer seinem beruflichen Werdegang im Internet auch einige persönliche Angaben finden. Focus-Herausgeber Helmut Markwort plauderte in seiner Kolumne "Tagebuch" 1995 die Liaison von Schrotthofer mit Kerstin Müller, damals Sprecherin der Grünen im Bundestag, aus. Die beiden, die dann einige Jahre verheiratet waren, wurden immer mal wieder Thema in den Gesellschaftskolumnen der Hauptstadt. Daraus lässt sich so Wichtiges erfahren, wie dass Schrotthofer angeblich besser kochen kann als Kerstin Müller, die inzwischen das Israel-Büro der Heinrich-Böll-Stiftung in Tel Aviv leitet.

2004 nach seiner Zeit als Pressesprecher von Rau galt er angeblich auch als möglicher Kandidat für die Chefredaktion der Westdeutschen Allgemeinen Zeitung (WAZ). Er wurde dann Chefredakteur der Westfälischen Rundschau (WR), an der die SPD damals beteiligt war.

Als er das Blatt 2007 verließ, verfasste jemand im Internet-Lexikon Wikipedia über Klaus Schrotthofer folgenden Passus: "Bei der WR zeigte sich die Redaktion schwer erschüttert, dass Schrotthofer das Blatt verlässt. Nicht nur, weil er das Blatt innerhalb von drei Jahren zu einem der renommiertesten Tageszeitungen in NRW gemacht hat, sondern auch, weil er dabei stets menschlich geblieben ist." Dieser Text wurde wenig später mit der Begründung gelöscht, es handele sich um einen zu "unfaktischen, lobhudelnden Absatz".

2012, als der damalige Bundespräsident Christian Wulff (CDU) immer heftiger kritisiert wurde, befragte die TAZ Pressesprecher früherer Präsidenten. Dabei kommt auch Schrotthofer zu Wort. Die TAZ schreibt über ihn: "Klaus Schrotthofer hängt jetzt in der Provinz fest. Aber er war mal Pressesprecher des Bundespräsidenten Johannes Rau. "Fantastische Zeit", bellt er. Er war ein junger Journalist, der im Zuge turbulenter Umstrukturierungen bei der Berliner Zeitung stellvertretender Chefredakteur geworden war. Der mit einer Politikerin der Grünen verheiratet war. Der nicht Nein sagen konnte, als Johannes Rau ihn sonntags auf dem Handy anrief und ihm den Job anbot."

Als er wenige Monate später die Zeitungsgruppe Thüringen (ZGT) verließ, hieß es in der Presseerklärung: "In der Verantwortung Schrotthofers lag unter anderem die umfassende Neuorganisation der drei zur ZGT zählenden Zeitungsredaktionen und eine konsequente Digitalisierung der redaktionellen Angebote mit über 100 lokalen Online-Portalen und einer neuen digitalen Verkaufsplattform für alle Verlagsprodukte. . . . Nach vielen guten und erfolgreichen Jahren bei der WAZ-Gruppe will sich Klaus Schrotthofer nun neuen beruflichen Aufgaben zuwenden."

Eine neue Aufgabe blieb ihm 2013 versagt. Hartmut Mehdorn, Geschäftsführer der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH, wollte ihn zum Kommunikationschef des Unternehmens machen. "Schrotthofer soll nun helfen, das ramponierte Image des BER-Projektes aufzupolieren", schrieb die Berliner Zeitung. Anderntags berichteten die Berliner Morgenpost und der Tagesspiegel, dass Mehdorn sich nicht durchsetzen konnte.

Im Tagesspiegel war zu lesen: "Gegen die Personalie hatte es Widerstände gegeben, da Schrotthofer ein stattliches Jahres-Brutto-Salär von 200 0000 Euro plus Tantiemen bekommen sollte. Zum Vergleich: Regierungschef Matthias Platzeck verdient rund 120 000 Euro." Platzeck, damals Brandenburgischer Ministerpäsident (SPD) und Aufsichtsratschef der Flughafengesellschaft, habe der Personalie dennoch zugestimmt wollen. "Vor allem Berlins Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) soll die Berufung Schrotthofers aber in letzter Minute verhindert haben, da sie ihm schlicht zu teuer war", wollte die Morgenpost erfahren haben.

Über die Gründe konnte letztlich nur spekuliert werden: "Der Präsidialausschuss stimmte der Berufung Schrotthofers nicht zu. Gründe wurden offiziell nicht genannt. Allerdings hat der BER ja bereits einen Pressesprecher und Stellvertreter, die von einem Team unterstützt werden. Sie hätten sich auch weiter mit den Anfragen von Journalisten befasst. Schrotthofer hätte sich vor allem um Veranstaltungen und die Kontakte zur Politik kümmern sollen."

24. Februar 2014

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