dju OWL

Aktion »Federblitz« erfolgreich

Aktion »Federblitz« zwingt die Verleger zu Verhandlungen

IG Druck und Papier Nordrhein-Westfalen

Mit einer großen Informationstagung am 31. März 1966 im Silbersaal der Dortmunder Westfalenhalle erreichte der Kampf um die Anerkennung der Tariffähigkeit, ja Tarifwürde der Deutschen Journalisten Union (dju) einen bedeutungsvollen Höhepunkt. Die von etwa 150 Journalisten und Vertrauensleuten aus den Zeitungsbetrieben besuchte Tagung war notwendig geworden, nachdem ein Schreiben des Vereins Rheinisch-Westfälischer Zeitungsverleger (VRWZ) kurz vor der auf Mittwoch, 30. März, festgelegten Aktion »Federblitz« eine veränderte Lage geschaffen hatte.

Seit 1951 gibt es die dju in der Industriegewerkschaft Druck und Papier; seit 1954 bemüht sie sich um die Anerkennung als Tarifpartner. Das Stichwort für alle ihr in den Weg gelegten Schwierigkeiten lieferte der inzwischen längst verstorbene einstige Sprecher des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger, Dr. (Walther) Jänicke: Nur der Deutsche Journalisten Verband (DJV) sei die einzige würdige Standesorganisation, mit der über tarifliche und sozialpolitische Fragen der Journalisten verhandelt werden könne. An diese verfassungswidrige und das Koalitionsrecht einengende Ansicht hielten die Zeitungsverleger in der Folgezeit »in Treue fest«. Daß unsere Gewerkschaft das 12 Jahre lang kampflos hingenommen hat, wird man fürderhin bei allem gelobten Langmut nicht zu ihren Ruhmesblättern zählen dürfen. Diese Selbstkritik muß an dieser Stelle gestattet sein.

Mit Datum vom 2. März 1966 – und an den Tag wollen wir uns in der Folgezeit mit besserem Gewissen erinnern – ließ der Landesbezirksvorstand nach gründlicher Beratung dem VRWZ ein Schreiben zukommen, schlichter Ministerialrat Lauscher war er Veranlassung, die Parteien zu einem Gespräch zusammenzuführen.  Den  Vertretern  des Schreiben, sogar telefonisch vorangekündigt, sprach sich jetzt eindeutig für die Anerkennung der dju aus. Der Regionalverband wolle sich am 5. April auch auf Bundesebene in dem nun endlich eine verbindliche Antwort gefordert wurde. »Sollten wir bis zum 18. März 1966 keinen zustimmenden Bescheid erhalten«, hieß es diesmal klipp und klar, »werden wir uns daran erinnern, daß der Gewerkschaftsbegriff voraussetzt, äußerstenfalls auch zum Arbeitskampf bereit zu sein ...«

Die Antwort des VRWZ verwies wie üblich auf den Bundesverband als dafür zuständiges Gremium und versuchte erneut, sich aus dem Spiel zu bringen. Damit war nunmehr der Zeitpunkt zum Handeln gekommen. Die Aktionsleitung war bereits gebildet. Ihre erste Aufgabe, war die Information der Kollegenschaft und der Öffentlichkeit. Dabei gab es gute Erfolge. Rundfunk und Presse berichteten über unser Anliegen. Mit dem Wort »Federblitz« wurde die vorbereitete Aktion, Warnstreik der Journalisten und Sympathiestreik der Mitarbeiter aus der Technik und in den Verlagen, gut verdeutlicht.

Die uneinsichtige Haltung der Zeitungsverleger wurde ungewollt zu einer Hilfe für unsere Organisation, weil sie uns zu einer Überprüfung unserer Kampffähigkeit zwang.
Wir bekamen aktuelle Einsichten in unsere starken, aber auch schwachen Stellen in den Betrieben. Wir mußten mit uralten Erfahrungen der Arbeiterbewegung neue Bekanntschaft machen: Keine siegreiche Auseinandersetzung ohne ausreichende Aufklärung über das Ziel, über den Sinn der Sache. Wo man begriff, daß es hier um Grundrechte aller ging, da ging man auch mit. Da wurde die Losung geboren: heute ihr, morgen wir! Der Gedanke der Solidarität wurde praktische Wirklichkeit.

Allen Kollegen gebührt Dank, die sich selbstlos bei der Vorbereitung von »Federblitz« engagierten.

Der VRWZ muß wohl im letzten Augenblick gemerkt haben, daß die Situation inzwischen brenzlig geworden war. Ein zweites dafür einsetzen und somit seien die Verhandlungsmöglichkeiten noch nicht erschöpft.

Das war ein erster, wenn auch noch nicht entscheidender Erfolg. Auf der Informationstagung in Dortmund ließen Kollegen (Heinrich) Bruns und (Fritz) Gent als Vertreter unserer Organisation keine Zweifel darüber offen, daß der 5. April die letzte Chance für eine friedliche Einigung sei.

Am 5. April befaßte sich auch der Tarifausschuß des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger mit unserer Forderung. Er faßte aber lediglich den Beschluß, auf der Delegiertentagung des Bundesverbandes diese Forderung zu behandeln.

Der Beschluß genügte nicht, um die eingeleiteten Kampfmaßnahmen in Nordrhein-Westfalen abzustoppen. Für den Landes-VRWZ wurde erklärt, daß nur eine feste Zusage den Arbeitsfrieden erhalten könne. Diese Zusage wurde schriftlich gegeben. Das war ein zweiter Erfolg.

Der VRWZ wird mit uns auf Landesebene verhandeln, wenn die Delegiertenversammlung des BDZV am 12. Mai die Tarifpartnerschaft mit unserer Industriegewerkschaft ablehnen sollte.

Nach diesem Termin wird also endlich verhandelt werden. Noch steht nicht fest, ob auf Bundes- oder Landesebene verhandelt wird. Fest steht aber, daß der solidarische Zusammenhalt der Journalisten mit ihren Mitarbeitern aus der Technik und in den Verlagen nach wie vor nötig ist.

(Mitteilungsblatt der IG Druck und Papier NRW 4/1966)

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  • Dokumentation des Landesbezirks der früheren Industriegewerkschaft Medien, Druck und Papier, Publizistik und Kunst zum 50-jährigen Bestehen der Mediengewerkschaft in Nordrhein-Westfalen:

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